24.09.2020


Der Podcast Alliteration am Arsch: Zwei Dampfplauderer mit Anspruch


Der Name mag es suggerieren, aber leider sprechen Bastian Bielendorfer und Reinhard Remfort in ihrem Podcast Alliteration am Arsch nicht ausschließlich in Alliterationen. Dafür muss man nach wie vor auf Heinz Erhardt zurückgreifen (“Getränk gefällig? Genialer Gedanke. Gerade Gewürzgurke gegessen”). Immerhin plaudern die beiden nur über Themen, die sich in Alliterationen zusammenfassen lassen. Auf diese Weise kommen so wunderbare Episodentitel wie “Hochgelobter Heiland huldigt Hundertster” und “Noch ne Notlösung” zustande.
Kennengelernt haben sich die zwei, als sie für eine ZDF-Sendung Alltagsgegenstände in ihre Einzelteile zerlegten (ja, das gab’s: Die Zerleger). Reinhard ist seines Zeichens Doktor der Physik, Deutscher Meister im Science-Slam und konnte sich durch seinen Wissenschaftspodcast Methodisch inkorrekt! bereits eine ansehnliche Fangemeinde erarbeiten. Bastian wiederum ist Bestseller-Autor (u. a. Lehrerkind: Lebenslänglich Pausenhof), ehemaliger Wer wird Millionär-Kandidat und ein “zweit-, nein, sagen wir: drittklassiger Comedian”; O-Ton Reinhard). Zusammen quatschen sie sich durch einen bunten Strauß an Alltagsbeobachtungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, Vergangenheitsbewältigung und Gegenwartskultur. 

Der Podcast Alliteration am Arsch in Zahlen

Unter einer Stunde lang sind dabei nur die wenigsten Folgen, umso bemerkenswerter ist die Durchhörrate von sage und schreibe 87 Prozent. Die knappe Mehrheit der Hörer von Alliteration am Arsch ist männlich (60 Prozent), der Großteil zwischen 18 und 34 Jahre alt. Die 100 Folgen hat Alliteration am Arsch bereits geknackt, mindestens 100 weitere wird der von Bastian und Reinhard so kunstvoll dargebotene Schwachsinn mit Tiefgang noch füllen. Es gibt schließlich viel zu besprechen.

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28.08.2020


Auf einen Film-Fan-Plausch mit Max und Nanoo: Im Autokino


Eigentlich längst als Überbleibsel der Vergangenheit totgesagt, hat das Autokino in Zeiten des Social Distancing eine beispiellose Renaissance durchlebt. Zu Recht! Mit Chipstüte, Burgermenü und Softdrink-Vorrat bewaffnet gucken sich neue Blockbuster, alte Klassiker und aktuelle Serien-Gems auf der Rückbank des eigenen Vehikels nämlich ziemlich gut. Ganz stilbewusst wird deshalb der Podcast Im Autokino tatsächlich im Auto aufgezeichnet. Bitte einsteigen! 

Die Fahrer: Max “Rockstah” Nachtsheim und Chris Nanoo. Beide kennen eingeschworene Podcast-Fans vielleicht schon aus Radio Nukular (Max) und Proseccolaune (Chris). Seit über zehn Jahren sind die beiden befreundet, seit 2016 gibt’s Im Autokino und seitdem dürften Hunderte Filme und Serien durch das Handschuhfach gewandert sein. 

Der Im Autokino Podcast in Zahlen

Jeden Samstag um Punkt 10 Uhr wird eine neue Folge Im Autokino veröffentlicht, welche dann eine durchschnittliche Durchhörrate von sagenhaften 75 Prozent erreicht. Warum das sagenhaft ist? Weil Im Autokino-Episoden oft so richtig lang sind. Für The Irishman braucht es eben eineinhalb Stunden, für Staffel 3 von Dark knapp zwei, für das Œuvre von Jim Carrey zweieinhalb und wenn die beiden sich mal wieder verquatschen, werden’s halt drei. Perfekt für lange Autofahrten, könnte man sagen. 

46 Prozent der Zuhörer von Im Autokino sind zwischen 23 und 27 Jahre alt, 29 Prozent sind Frauen, 71 Prozent Männer. Jede Folge wird 60.000 Mal geklickt und gelegentlich gehen Max und Chris sogar auf Tour. Bis es wieder soweit sein darf, warten über 130 Episoden mit geballter cineastischer Begeisterung darauf, gehört zu werden. Film ab!

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25.08.2020

3 Tipps, wie du die Soundqualität deines Podcasts verbesserst

Feuerwehrsirenen im Hintergrund, Hundegebell, dazu Störgeräusche und lautes Schmatzen: Fertig ist der unprofessionelle Podcast. Damit konnte man vielleicht noch zu Beginn des Hypes punkten, weil man damit authentischer rüberkam als die auf Hochglanz polierten Podcasts der großen Medienhäuser. Mittlerweile sind aber selbst die Wohnzimmer-Plauderer darum bemüht, ihren Fans ein angenehmes Hörerlebnis zu bieten und Böhmermann und Schulz essen nur noch ganz selten vor dem Mikrofon. Die Soundqualität eines Podcasts korreliert vielleicht nicht mit der Qualität seines Inhalts, Fakt ist aber: Wenn der Sound nicht stimmt, schaltet eventuell der ein oder andere ab, egal wie gut die Episode ist. Um das zu vermeiden, liest du im Folgenden 3 Tipps für eine bessere Soundqualität beim Aufnehmen.

1. Wähle den Aufnahmeraum mit Bedacht.

Think about the environment! Diesen Satz solltest du dir zwar hauptsächlich hinsichtlich des Umweltschutzes zu Herzen nehmen, aber für das Aufnehmen eines Podcast gilt er genauso. Nicht jeder Raum ist dafür gut geeignet. Im besten Fall verfügst du natürlich über einen Zugang zu einem (externen) Studio. Wenn das nicht der Fall sein sollte und du dir zuhause einen Aufnahmeraum einrichtest, empfiehlt es sich, rechteckige und quadratische Räume zu meiden, da in diesen der Schall besonders gut von den Wänden abprallt. Suche dir lieber einen möglichst asymmetrischen Raum aus oder stelle dein Mikrofon in einen asymmetrischen Bereich des Raums. Fest verlegter Teppichboden ist übrigens kein Muss. Verfügt dein Aufnahmeraum über Parkett oder Laminat, tun es auch ein paar kleinere Teppiche. Vorhänge und Bücherregale schlucken zusätzlich störende Geräusche, ebenso ein Sessel oder eine Couch mit einigen Kissen. Akustikschaumstoff an den Wänden ist in der Regel nicht notwendig, außer der Raum ist wirklich groß und nahezu leer.
Dass der Aufnahmeraum kein Durchgangszimmer sein sollte, versteht sich von selbst. Um Hamilton zu zitieren: “No one else in in the room where it happens”. Für Lebensgefährten, Mitbewohner, Nachkommen und Haustiere bedeutet das absolutes Zutrittsverbot während des Aufnehmens. Und: Je weniger Hintergrundgeräusche zu vernehmen sind, desto besser. Es folgt eine kleine Liste an Dingen, die Hintergrundgeräusche produzieren:

  • Straßen
  • Handys 
  • Haustiere jeglicher Spezies
  • Restaurants
  • Aufzüge
  • Klimaanlagen
  • Wasch- und Spülmaschinen
  • Heizungen
  • Drucker
  • Kühlschränke
  • Lüftungen von Computern
  • Boiler

Klar: Nur wenige von uns dürften die Möglichkeit haben, einen dezidierten Podcast-Raum in ihr Heim zu integrieren. Zumindest für Solo-Podcaster gibt es aber eine nette, kostenfreie DIY-Möglichkeit: Bettdecke in den Kleiderschrank hängen und in diese Richtung sprechen. Zack fertig, Aufnahmeraum.
Aufgepasst bei (unfreiwilliger) Hintergrundmusik: Das kann dank GEMA problematisch werden. Das Achten auf ggf. vorhandene Hintergrundmusik ist für den gemeinen Kleiderschrank-Podcaster zwar in der Regel kein Thema, wird aber zum Beispiel dann relevant, wenn O-Töne benutzt werden. Wurden die etwa in einem Office Space aufgenommen, in dem im Hintergrund das Radio dudelt, steht ganz schnell die GEMA vor der Tür.

2. Aufnahmetechnik ist alles.

Schmatzgeräusche findet nur eine Handvoll ASMR-Begeisterter toll, dem Rest der Welt stellen sich dabei die Nackenhaare auf. Essen während der Aufnahme ist deshalb ein absolutes No-Go. Unwillkürliche Schmatzer lassen sich rausschneiden. Münder produzieren beim Sprechen hin und wieder feuchte Töne; dagegen hilft, regelmäßig einen Schluck Wasser zu nehmen (und diese paar Sekunden in der Postproduktion zu entfernen).
Außerdem lohnt es sich, mit dem Abstand zwischen Mund und Mikrofon zu experimentieren. Jedes Mikro ist unterschiedlich und nur weil acht Zentimeter Abstand bei dem einen gut funktionieren, muss das bei dem anderen längst nicht der Fall sein. Es gibt aber eine Faustregel – wortwörtlich. Mache eine Faust und halte sie zwischen Mund und Mikro. Das ist der Mindestabstand. Von hier an heißt es: Testen, testen, testen, bis du den Sweet Spot gefunden hast. Ein Popschutz sollte nie fehlen, wenn du den aber noch nicht hast, kannst du das Mikro auch in einem 45°-Winkel aufstellen, das hilft schon ein bisschen.
Die Stimme und das Training derselben wird leider von den allermeisten Podcastern ziemlich vernachlässigt. Dabei lässt sich mit ein klein wenig Stimmtraining schon so viel machen. Wer’s ernst meint, geht zum Logopäden und lässt sich dort beraten, für den Anfang tut es auch eine YouTube-Recherche. Aufwärmübungen vor der Aufnahme lassen die Stimme gleich viel kräftiger klingen, kostengünstige Hilfsmittel wie zum Beispiel ein LAX VOX® eliminieren Knarzen und machen die Stimmbänder geschmeidig.
Zuletzt solltest du wildes Gestikulieren oder das Herumnibbeln an Kabeln, Kleidung oder Körperteilen vermeiden, weil auch das Störgeräusche produzieren kann.

3. Schenke der Postproduktion die Aufmerksamkeit, die sie verdient.

In der Postproduktion sollten, es wurde schon erwähnt, alle Schmatzgeräusche rausfliegen. Zu lange Sprechpausen (ab ca. drei Sekunden) dürfen ebenfalls weg, außer sie passen situativ gut. Sind Hintergrundgeräusche zu laut, kannst du dir überlegen, ob das Gesagte, was davon überlagert wird, wirklich, wirklich wichtig ist. Wenn nicht: Raus damit. Die meisten Versprecher hingegen wirken charmant und müssen nicht zwingend geschnitten werden. Auch Ähms und Hms gehören zum Podcasten dazu und sind in der Regel nicht unprofessionell, sondern authentisch. Niemand spricht im Podcast wie Jan Hofer.
Oft kommt es vor, dass man sich beim Reden in eine Ecke palavert und erst nach einer ganzen Weile den Faden wieder findet. Solltest du das bemerken, dann klatsch einmal in die Hände, bevor du nochmal von vorn beginnst. Das schenkt dir beim Editieren einen visuellen Anhaltspunkt, wo der zweite, bessere Versuch startet, und spart dir damit das Suchen.
Eine große Bedeutung kommt auch dem Tuning der Lautstärke zu: Kein Podcast-Hörer kann es leiden, wenn die Intro-Musik extrem laut und der darauf folgende Gesprächsteil extrem leise ist. Noch wichtiger wird das bei Sounds und Musik, die du inmitten des Gesprächsteils platzierst, zum Beispiel, um einen Werbeslot einzuleiten.
Du liebst das Podcasten, hast aber mit Schnitt und Vermarktung gar nichts am Hut? Vielleicht können wir dir da helfen. Schreib uns!



23.07.2020


#TWENTYSOMETHING powered by GLAMOUR: Ihr schönen, spannenden, schauderhaften Zwanziger

Die Zwanziger beinhalten mit Sicherheit nicht immer genau die Elemente, die Filme und Serien über Twentysomethings so gerne zeigen: Partys, Experimente mit Drogen oder Sex oder beidem gleichzeitig, Herzschmerz, WG-Castings, Abbruch des Studiums und, und, und. Aber: Die Zwanziger sind für jeden Einzelnen eine Zeit des Wandels. Manch einer fängt in dem Alter schon an, sein Eigenheim für seine Familie zu bauen, andere dümpeln noch orientierungslos vor sich hin, nach wie vor auf der Suche nach dem passenden Job, der passenden Stadt, dem passenden Herzensmenschen. Beides legitim. Beides normal. In jedem Fall passieren zwischen 20 und 30 Dinge, die den weiteren Lebensweg prägen werden. Es gibt also viel zu bereden. Und genau das tut Lina Mallon in ihrem Podcast #TWENTYSOMETHING powered by GLAMOUR


Ursprünglich stammt sie aus Salzwedel, heute lebt sie zwischen Hamburg und Kapstadt, wo sie fotografiert, schreibt und podcastet. Ihr im April 2020 erschienenes Erstlingswerk Schnell.liebig: Das Herz will wieder riskiert werden stand auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, ihr Blog zelebriert in verträumten Fotos und Texten die Reise-, Lebens- und Liebeslust. Und der Podcast? Der schlägt die Brücke zwischen all dem, behandelt das erste Wiedersehen mit dem Ex-Partner genauso wie das Auswandern, die Problematik toxischer Freundschaften und die Herausforderungen einer Unternehmensgründung.

Der #TWENTYSOMETHING Podcast in Zahlen

Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge von #TWENTYSOMETHING, die von durchschnittlich 16.000 Personen gehört wird. 47 Prozent davon sind zwischen 23 und 27 Jahre alt, 9 von 10 sind Frauen. Kann #TWENTYSOMETHING deshalb nur von Twentysomething-Frauen gehört werden? Ganz und gar nicht! Lina versteht es, ihre Themen so auszuwählen und zu diskutieren, dass sich jede Altersgruppe und jedes Geschlecht davon angesprochen fühlen kann. Trotz aller Unterschiede, trotz aller Abzweigungen, die wir im Leben nehmen, sind wir uns offensichtlich doch ziemlich ähnlich. 


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12.07.2020


Podcasts und #BLM: Ohren auf gegen Rassismus, Ausgrenzung und White Privilege


Es brauchte einen niederschmetternden Anlass dafür, dass die Welt nun endlich über (strukturellen) Rassismus spricht: den brutalen Mord an George Floyd, einem Schwarzen US-Amerikaner, verübt durch weiße Polizisten. Floyds acht Minuten und 46 Sekunden langer Todeskampf, aufgezeichnet durch die Bodycams seiner Mörder, ging um den gesamten Globus und führte zu heftigen Protesten gegen Polizeigewalt gegen BPoC: #BlackLivesMatter zog inmitten der Corona-Pandemie Millionen Menschen auf die Straßen. Floyds gewaltsamer Tod war offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Und es war ein verdammt großes Fass. Seit Jahrzehnten machen AktivistInnen in den USA darauf aufmerksam, dass PolizistInnen überproportional oft gegen Schwarze vorgehen und dabei deutlich aggressiver als bei Weißen sind. Seit Jahrzehnten häufen sich die Berichte über Schwarze, die bei Routine-Einsätzen wie Verkehrskontrollen erschossen werden (Philando Castile, Samuel DuBose, Levar Jones). Berichte darüber, wie Schwarze Kinder getötet werden, weil sie mit einer Spielzeugpistole im Park hantieren (Tamir Rice). Berichte darüber, wie Schwarze von Polizisten ermordet werden, weil sie eine Packung Zigaretten geklaut haben (Darren Wilson), joggen gehen (Ahmaud Arbery) oder vor ihrer Garageneinfahrt stehen (Ernest Satterwhite). Struktureller Rassismus ist real. Das hat nun offenbar auch endlich ein Teil der Weißen kapiert. 

Der Podcast als Empowerment-Plattform für BPoC

BPoC – nicht nur aus den USA – können darüber nur müde lächeln. Wer eine Hautfarbe hat, die nicht der hellen “Norm” entspricht (ein schöner Anhaltspunkt dafür ist diese Szene aus Family Guy), lernt von klein auf, mit “routinemäßigen” Polizeikontrollen, misstrauischen Blicken der Nachbarn und offenen oder verdeckten rassistischen Beleidigungen zu leben. Und versucht, Weiße über ihre Privilegien aufzuklären (auch wenn weiße Menschen es hassen, ihr Selbstbild beschädigt zu sehen). Meistens im Alltag, manchmal in Büchern wie Why I'm No Longer Talking to White People About Race und Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten (gibt’s als Hörbuch auf Spotify) oder, das ist ein relativ neues Phänomen, in Podcasts. “Podcasts sind ein intimes Medium. Deshalb können sie eine wirkmächtige Plattform für unterrepräsentierte Stimmen in der Gesellschaft sein”, schreibt Deutschlandfunk Kultur. Klar ist: Die notorisch weiße Podcast-Bubble kann etwas Diversität dringend vertragen.
In den USA klappt das schon ziemlich gut. 1619 beispielsweise, ein extrem erfolgreicher Podcast der New York Times, widmet sich, so spannend erzählt wie eine Netflix-Serie, der Geschichte der amerikanischen Sklaverei. Bei Code Switch von NPR dreht sich alles um Race und die weitreichenden Auswirkungen der Hautfarbe auf Leben, Liebe und Job. Und Intersectionality Matters! wird von keiner anderen als Kimberlé Crenshaw gehostet, der Frau, die der Welt das Konzept der Intersektionalität geschenkt hat (wer nicht weiß, was das ist, sollte diesen wichtigen TED-Talk gucken).

Die deutschen Podcast-Charts zeigen sich ziemlich kartoffelig

Die deutschen Podcast-Charts hingegen versammeln zwar so viele weiße Almans auf einem Fleck, wie es sonst nur der Ballermann schafft, aber es gibt zumindest ein paar progressive Lichtblicke. Tupodcast zum Beispiel, den Podcast der Anti-Rassismustrainerin und Aktivistin Tupoka Ogette, der Gesprächen zwischen Schwarzen Frauen eine Bühne bietet. Oder Halbe Katoffl, eine Gesprächsreihe mit Deutschen, die nicht-deutsche Wurzeln haben. Oder Black & Breakfast. Oder Weißabgleich. Oder Kabusbox. Oder Feuer & Brot. Oder, oder, oder… 

Zuhören ist ein solidarischer Akt

Eine großartige Liste an Podcasts “von und mit Schwarzen Hosts, People of Color, Podcaster:innen mit Migrationsgeschichte, Jüd:innen, Muslim:innen, postmigrantischen und diasporischen Stimmen” hat die Medienforscherin Nele Heise hier zusammengestellt. Sie hält fest: Zuhören, das ist ein solidarischer Akt. Mehr noch: Wer der Mehrheitsgesellschaft angehört, ist dazu verpflichtet, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Uns Weiße sollte es nämlich deutlich mehr aufregen, dass es nur zwei Afrodeutsche Straßen in Deutschland gibt. Dass kaum Datenerhebungen über Schwarze Menschen in Deutschland existieren und dass rassistische Polizeigewalt nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande Menschenleben fordert. Dass unser Innenminister eine geplante Racial Profiling-Studie einfach mal so ins Wasser fallen lässt und dass in der Bundeswehr Rechtsextremismus ungehemmt grassieren darf
#BlackLivesMatter darf sich in Deutschland nicht nur auf ein paar Demonstrationen beschränken. Wir sollten die Bewegung zum Anlass nehmen, die Ohren aufzusperren und all denjenigen zuzuhören, deren Lebensrealitäten sich von unseren unterscheiden. Und nie war das bequemer – muss man doch lediglich die Podcast-App seiner Wahl öffnen.


06.07.2020


Zunge im Ohr – der etwas andere Vater-Tochter-Podcast


Packt die Wattestäbchen wieder ein, jetzt werden die Gehörgänge gefrencht. Sie Geburtsjahr 1996, er 1950, philosophieren über das Leben und den Tod und alles, was dazwischen liegt. Sie: Elena Carrière, Model. Er: Mathieu Carrière, Film- und Theaterschauspieler. Zusammen sind sie ein Vater-Tochter-Gespann, das eine höchst unkonventionelle Beziehung zueinander pflegt. Das einander Halt gibt, aneinander wächst und über den Altersunterschied von 46 Jahren spielend einfach hinweg kommuniziert. 

Jetzt eben auch öffentlich: Zunge im Ohr will nicht nur, aber auch die Geschichten mit der Welt teilen, auf die Mathieu dank seines bewegten Lebens zurückblicken kann. In Rolf Thieles Verfilmung von Tonio Kröger spielte er, damals gerade einmal 14-jährig, den jungen Tonio, zwei Jahre später folgte der internationale Durchbruch mit Volker Schlöndorffs Debüt Der junge Törless. Heute trifft man ihn im Dschungelcamp oder bei Let’s Dance an, immer noch ein Querdenker, immer noch mit starker Meinung zu kontroversen Themen.

Elena wiederum wandte sich gleich von Anfang an dem Privatfernsehen zu. 2016 belegte sie bei Germany’s Next Topmodel den zweiten Platz, heute sieht sie die Sendung sehr kritisch. Beim Modeln ist sie trotzdem geblieben, mittlerweile steht sie unter Vertrag bei der New Yorker Agentur VNY Models. Und noch etwas hat sie aus der GNTM-Vergangenheit mit in die Gegenwart geholt: Ihre sehr junge, weibliche Fanbase, die nun auch zu Podcast-Hörenden geworden ist. 

Der Zunge im Ohr  Podcast in Zahlen

85 Prozent weibliche Hörer, davon 43 Prozent zwischen 18 und 22 Jahren: Auf solche Zahlen dürfte kaum ein anderer multigenerationaler Podcast kommen. Seit dem Start im Januar 2020 verzeichnet Zunge im Ohr 6.500 durchschnittliche Klicks pro Folge bei einer Episodenlänge von rund einer Stunde. Und auf die Themen bezogen gilt: tout est permis, rien n'est obligatoire. Genau das spiegeln auch die Episodentitel mit klangvollen Namen wie Flotte Dreier, Masken & die anarchistischen Philosophen der 70er wider. In Elenas Hamburger Wohnung quatschen Vater und Tochter über Social Media und Sex, Soulmates und Streitkultur. Und sind ein leuchtendes Beispiel dafür, dass eine Eltern-Kind-Beziehung gar nicht so klischeehaft sein muss, wie wir uns das immer vorstellen.


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24.06.2020


Radio Nukular: Nerd-Kultur und Nostalgie


Lang, lang ist’s her, als die Bezeichnung Nerd noch ein Schimpfwort war. Mittlerweile bustet Marvel die Blocks und mit Videospielen lässt sich mehr Umsatz machen als mit jeder anderen Entertainment-Form. Das hätten weder die Wirtschaftsweisen dieser Welt, noch diejenigen, die den Großteil ihrer Kindheit und Jugend zwischen Comics und Controllern verbracht haben, jemals erwartet. Und umso schöner ist es, in der Vergangenheit herumzuwühlen, die alten Kisten mit den Actionfiguren unter dem Bett hervorzuholen und über all das zu diskutieren, was einem die pickligen Jünglingsjahre versüßt hat. Radio Nukular ist seines Zeichens ein Vergangenheitsbewältigungspodcast und hat es sich seit 2014 zur Aufgabe gemacht, über Games, TV, Film, Musik und Popkultur an der Schnittstelle von gestern zu heute zu reden. Gerne stundenlang und manchmal auch live, wenn wieder Zeit für eine Tour ist.

Der Radio Nukular Podcast in Zahlen

Alle zwei Wochen setzt sich das Team Nukular vor die Mikrofone und quatscht so lange, bis alles gesagt ist. Beim Thema Mädchen kann das schon mal sechs Stunden dauern, und insgesamt ist Radio Nukular sicher kein Podcast, den man auf dem Weg zur Arbeit schnell durchhören könnte. Genau das schätzen die Fans aber. Pro Folge hören nämlich rund 260.000 Menschen zu, der größte Teil davon ist männlich und zwischen 23 und 27 Jahre alt. Für einen Wikipedia-Eintrag reicht das zwar (zumindest laut Wikipedia) nicht, aber immerhin für eine eigene Fandom-Wiki. 


Und wer steckt hinter Radio Nukular? Max ‘Rockstah‘ Nachtsheim mag das Plappern so gerne, dass er neben seiner Podcast-Karriere auch erfolgreicher Rapper ist. Chris Gürnth trägt die Berufsbezeichnung “Videospielredakteur” und hat sein tiefgreifendes Gaming-Wissen einige Jahre lang bei GIGA und Game One unter Beweis gestellt. Und Dominik Hammes ist eine TV-Enzyklopädie auf zwei Beinen, verkörpert 50 Prozent der Medien-KuHund trinkt so gerne Tee, dass sogar sein Blog so heißt. Summa summarum: Bei Radio Nukular sitzen drei extrem professionelle Nerds und unterhalten sich. Über dies und das und jenes...hauptsächlich aber über Nerdkultur. Excelsior!


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15.06.2020


Podcasts in den USA: Wie, was, wer hört Amerika?


Was die Entertainment-Branche im Allgemeinen angeht, sind uns die USA immer ein kleines Stückchen voraus. So auch bei Podcasts: Gehört werden diese nämlich von ganzen 37 Prozent der Amerikaner, bei den Deutschen sind es nur 26 Prozent. Dabei nicht zu vergessen ist die enorme Bevölkerungsgröße der USA: 37 Prozent von 328 Millionen US-Bürgern sind 121.360.000, also knapp einhundert Millionen Podcasthörer mehr als in Deutschland (21,6 Millionen).

Business Insider prognostiziert für die US-amerikanische Podcast-Branche 863 Millionen Dollar in Werbeeinnahmen für 2020 und die Aussicht auf über eine Milliarde im Jahr 2021. Mal zum Vergleich: 2016 waren es noch mickrige 169 Millionen. Selbst von solchen Zahlen kann man hierzulande bislang nur träumen. 

Labern ohne Einschränkung: Das Erfolgsgeheimnis von Joe Rogan

Kaum verwunderlich also, dass der kommerziell erfolgreichste Podcast der Welt aus den USA kommt: The Joe Rogan Experience von Comedian Joe Rogan verzeichnet für 2019 Einnahmen von 30 Millionen Dollar und fast 200 Millionen Downloads pro Monat. Ab dem 1. September wird der Podcast ausschließlich auf Spotify zu hören sein – Rogan unterzeichnete unlängst einen 100 Millionen Dollar schweren Exklusiv-Deal mit dem schwedischen Audio-Streamingdienst.


Überhaupt kommt man in Sachen US-Podcasts an The Joe Rogan Experience nicht vorbei. Bei Rogan geben sich Persönlichkeiten von Robert Downey Jr. bis Bernie Sanders die Klinke in die Hand und diskutieren teils über mehrere Stunden hinweg mit dem ehemaligen UFC-Kommentator. Rogans Erfolg dürfte hauptsächlich in der Vielfältigkeit seiner Gäste begründet liegen. Diese verkörpern einen wilden Mix unterschiedlichster politischer Strömungen und Rogan verzichtet auch nicht darauf, ultrarechte Konservative wie Alex Jones in seine Sendung einzuladen. Er spricht schlichtweg mit allen, die zu ihm in die Sendung kommen wollen: “Ich mache, whatever the fuck ich machen will”

The Times erschließt mit The Daily neue Zielgruppen, My Favorite Murder legte den Grundstein für ein Podcast-Netzwerk

Neben Rogan gibt es einige weitere Power-Player in der US-Podcast-Szene, die nicht zwingend auf Plaudereien mit Promis setzen. The Daily, ein News-Podcast der New York Times, erreicht zwei Millionen Hörer pro (Werk-)Tag. Rund 30 Minuten lang summieren Journalisten der Times ihre aktuellen Reportagen und interviewen Gäste. “It has transformed our audience’s relationship with The Times and brought in an entirely new audience, which has been introduced to and fallen in love with The Times and its journalists in this form”, heißt es in einem Statement, das die Arbeit der Produzentin Theo Balcomb am Podcast würdigt. 


Durch seine außerordentlich große, aktive und überwiegend weibliche Fanbase geradezu ein soziokulturelles Phänomen ist My Favorite Murder. Ein True Crime Podcast, der, so könnte man behaupten, neben Serial erst den Weg für Crime Junkie, Zeit Verbrechen, Mordlust und Co. geebnet hat. Die Hosts Karen Kilgariff and Georgia Hardstark lernten sich 2014 passenderweise auf einer Halloween-Party kennen, veröffentlichten 2016 ihre erste Episode von My Favorite Murder und gründeten Ende 2018 das Podcast-Netzwerk Exactly Right. My Favorite Murder kommt auf 34 Millionen monatliche Hörer, Exactly Right auf einen Umsatz von 10 Millionen Dollar.

True Crime- und Wissens-Podcasts als Spitzenreiter

Ganz allgemein scheint True Crime bei den Amerikanern ausnehmend gut anzukommen. Laut Edison Research belegen Crime Junkie und My Favorite Murder Platz vier und fünf der Top 10 Podcasts im ersten Quartal von 2020. Und noch ein zweites Genre ist extrem beliebt: Der Wissens-Podcast. Dazu zählen lassen sich neben The Daily auch Stuff You Should Know (Platz 6), Wait Wait… Don’t Tell Me! (Platz 7) sowie Planet Money (Platz 9), wobei die beiden letzten vom nichtkommerziellen Podcast-Powerhouse NPR stammen. 




Woher die flächendeckende Faszination an Mordgeschichten kommt, muss man spätestens seit Tiger King nicht länger hinterfragen. Der offensichtliche öffentliche Bedarf an verständlich aufbereitetem Wissen ist umso spannender. Immerhin sind ganze 40 Prozent der beliebtesten US-Podcasts Wissens-Podcasts. Ganz genauso sieht es übrigens in Deutschland aus: Die iTunes-Podcast-Charts vom 12. Juni 2020 platzieren insgesamt vier Wissens-Podcasts in ihrer Top 10: Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten (Platz 1), Steingarts Morning Briefing (Platz 3) Synapsen (Platz 7) und Acht Milliarden (Platz 9).

Ohren auf: Was kann Deutschland von der US-Podcast-Szene lernen?

Was bleibt nun vom Blick auf die US-Podcast-Szene? Zum einen erneut die Einsicht, dass es nicht das eine Thema, die eine Episodenlänge gibt, die mit Sicherheit zum Erfolg bei den Hörern führt. Zum anderen die Hoffnung, dass sich die deutsche Scheu vor Podcast-Werbung mit der Zeit abschwächen wird. Das enorme Wachstum der Werbeeinnahmen im US-Podcast-Markt über die letzten Jahre beweist, dass Podcast-Werbung im Marketing-Mix der Zukunft auf keinen Fall fehlen darf. Und dass alle, die Podcasts heute immer noch als Nischenphänomen sehen, womöglich sehr bald den Anschluss verpassen werden. 

18.05.2020


Podcast, quo vadis? 

Ob Christian Drosten geahnt hätte, dass er praktisch über Nacht zum Podcast-Star werden würde? Der Leiter der Virologie aus der Berliner Charité ist seit Ende Februar der Podcast-Papa der Nation und derjenige, dem die Bundesrepublik in Sachen Sars-CoV-2 am meisten vertraut. Zusammen mit den NDR Info-Wissenschaftsredakteurinnen Korinna Hennig und Anja Martini spricht Drosten mittlerweile zweimal wöchentlich über das Virus, das die Welt in den Pausenmodus versetzt – und erreicht damit auch Hörer, die bisher mit Podcasts nur wenig anfangen konnten. Höchste Zeit also für eine Bestandsaufnahme und die Frage: Podcast, quo vadis? 

Podcasts in Zahlen: So hört Deutschland

Zunächst zur aktuellen Situation und den harten Fakten: 26 Prozent der Deutschen, also rund 21,6 Millionen Bundesbürger, das errechnete 2019 eine repräsentative Bitkom-Studie, hören Podcasts – 2018 waren es noch 22 Prozent. Wahrscheinlich erhöht sich diese Zahl für das Jahr 2020 dank Drosten nochmal ein ganzes Stück.

Am liebsten hören die Deutschen Podcasts mit den Themen Nachrichten und Politik (45 Prozent) sowie Film und Fernsehen (41 Prozent). 38 Prozent interessieren sich für Sport und Freizeit sowie Comedy, 33 Prozent für Musik, 29 Prozent für Wissenschaft. Ein Drittel aller Podcasthörer hört Podcasts unterwegs bzw. in Warte-Situationen. Männer hören Podcasts etwas öfter als Frauen und die Jüngeren öfter als die Älteren. 


Besonders spannend wird es außerdem, wenn es um die Sendungslänge geht: die Hälfte der Befragten gibt in der schon erwähnten Bitkom-Studie an, dass ein Podcast idealerweise zwischen fünf und zehn Minuten lang sein sollte. Und nur 38 Prozent hören einen Podcast in voller Länge.


Aus diesen Zahlen lassen sich bereits drei Learnings ableiten, die Podcast-Produzenten und Podcast-Marketer beachten können:


  • Podcasts sollten kurz sein – viel kürzer, als man vermuten würde.
  • Podcasts sollten informieren – was nicht bedeutet, dass das Thema bierernst sein muss.
  • Podcasts sollten ab Minute eins begeistern.


Das heißt natürlich nicht, dass es keine Ausnahmen von der Regel gibt – Plauder-Podcasts (im Fachjargon auch “Conversational Podcasts” genannt) wie Fest und Flauschig sind natürlich trotz fehlendem klaren Oberthema sehr erfolgreich und begeistern gerade wegen ihrer Länge, wie die Kommunikationsagentur A&B One behauptet. Auch Drostens Coronavirus-Update überschreitet die vorgeschlagenen zehn Minuten locker. Nichtsdestotrotz liegt in der Kürze bekanntlich die Würze, und wer seine Zuhörer bis zum Ende behalten möchte, tut gut daran, sie nicht über Stunden ans Podcastausgabeendgerät ihrer Wahl zu fesseln.

Wie sieht die Zukunft des Podcasts aus?

Soviel zur Gegenwart. Und wie geht es nun weiter? Sônia Kewan von der WirtschaftsWoche stellt die These auf: “Professionell produzierte Podcasts werden der Standard”. Nur: was heißt “professionell”? Kewan spricht von traditionellen Medienhäusern und spezialisierten Produktionsunternehmen, die die Professionalisierung von Podcast-Formaten vorantreiben. Das mag im Ansatz stimmen, weil zunehmend Podcaster von Branchenriesen unter Vertrag genommen werden und fast alle Rundfunkanstalten und großen Medienhäuser eigene Podcasts produzieren. Allerdings sollte der Charme von Amateur-Podcasts, die noch dazu oftmals extreme Nischenthemen bedienen, nicht unterschätzt werden. Podcasts abseits des Mainstreams verfügen über das riesige Potential einer spezialisierten Hörerschaft und eingeschworenen Fangemeinde. Ähnlich wie Micro-Influencer auf Instagram, deren Followerzahlen sich im unteren Mittelfeld bewegen, bieten nicht professionalisierte Podcasts die Chance auf eine rege, Engagement-freudige Zielgruppe. Dieser Umstand dürfte nicht zuletzt für Podcast-Marketer höchst interessant sein und wird spätestens dann überlebenswichtig, wenn Produkte vermarktet werden sollen, die nicht unbedingt den Geschmack der Masse widerspiegeln.


Dann wäre da noch die Sache mit den Daten. Die Zustimmung zum Datenschutz vorausgesetzt, sammeln Smartphone, Tablet und Co. die Daten des Podcasthörers und damit wertvolle Informationen. Wo befindet er/sie sich, wie lange hört er/sie welchen Podcast, wann bricht er/sie den Podcast ab? “Warum werden diese Daten, wenn die Zustimmung vorliegt, beispielsweise nicht für die Konzeption von auditiven Inhalten verwendet?”, fragt Stephan Schreyer in W&V. “Es wird u.a. für Publisher Zeit, individuellen, datengetriebenen Audio-Content anzubieten. Geht nicht? Geht doch! Bei Werbeausspielungen funktioniert das Prinzip grundsätzlich bereits.” Individualisierte Inhalte könnten die nächste Entwicklungsstufe des Podcasts verkörpern, wenn One size fits all nicht mehr dem Zeitgeist entspricht. 


Zuletzt gibt es eine Zielgruppe, die von den meisten Podcast-Produzenten bisher sträflich vernachlässigt wurde: Kinder und Jugendliche. Spannende, lehrreiche und unterhaltende Podcast-Formate, die auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind, die sich zusammen mit den Eltern oder auch alleine abends im Bett hören lassen, sind bislang relativ rar gesät. Bei rund 13 Millionen Kindern unter 18 Jahren in Deutschland eigentlich kaum zu glauben und vielleicht interessant für den Chefvirologen und Familienvater Drosten, sobald sein Coronavirus-Update nicht länger benötigt wird. 

11.05.2020


Podcast Marketing und die Vorteile für Unternehmen

Podcast Marketing ist für viele Unternehmen zwar noch nicht fixer Bestandteil im Marketing Mix, doch das Zeug zum neuen Star am Werbehimmel hat es allemal. Schließlich zeichnet es sich durch zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Content-Formaten aus. Einer davon ist sicherlich die Chance auf eine gleichermaßen rasche und organische Reichweite. Denn wie gesagt: Noch verzichten ganze Branchenzweige auf das smarte Marketing-Tool fürs Ohr.

Doch was macht gehörte Werbung eigentlich so effizient? Warum erfreuen sich Podcast-Anbieter einer stetig steigenden Beliebtheit? Und eignet sich hörbares Marketing dazu, auch deinen unternehmerischen Erfolg langfristig zu steigern? Die Antworten auf diese spannenden Fragen findest du in diesem Artikel. Zunächst sollten wir jedoch klären, was Podcast-Marketing eigentlich ist.

Das zeichnet Podcast Marketing aus

Bei dieser Werbeform handelt es sich einfach erklärt um die Bereitstellung von hörbaren Inhalten. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern to broadcast für übertragen und iPod aus dem Hause Apple zusammen. Prinzipiell kann bereits eine einzelne Audiodatei als Podcastfolge deklariert werden. Dies wäre jedoch so, als würdest du einen einzigen Artikel im Netz als komplette Website bezeichnen. Daher handelt es sich bei einem tatsächlichen Podcast-Angebot um eine Serie von Audiodateien. Diese werden in regelmäßigen oder unregelmäßigen Intervallen veröffentlicht.

Hierfür bieten sich einerseits spezialisierte Plattformen oder bekannte Streamingdienste an. Andererseits gelingt Podcasting auch über das eigene Blog. Die meisten Hörer schätzen, die Audios abonnieren zu können. Beachte: Veröffentlichst du deine Podcast-Folgen direkt auf der Website, empfiehlt sich also zumindest die Option, sich in einen Newsletter zum Angebot eintragen zu können.

Die Vorteile von audiobasiertem Marketing

Podcast-Marketing besticht durch zahlreiche Vorteile. Hierzu zählen etwa die Flexibilität für den Hörer, die stete Verfügbarkeit der Inhalte und das kurzweilige Format. Setzen Unternehmer wie du auf diese Werbeform, bieten sie Kunden eine einzigartige Form an Mehrwert. Ein starkes Trio hiervon soll an dieser Stelle als Beispiele dienen: 

  1. Audiobasierter Content lässt sich spitz auf eine Zielgruppe zuschneiden. Hierdurch positionierst du dich bei entsprechender Qualität einfach als Experte. Gleichzeitig lernen und erfahren deine Hörer mehr über ihre Lieblingsthemen. Diese Kombination ist eine bewährte Erfolgsformel im modernen Marketing, von der beide Parteien profitieren.
  2. Bei Podcast-Folgen handelt es sich um ein Angebot on demand. Das bedeutet, dass die bereitgestellten Inhalte orts- und zeitunabhängig konsumiert werden können. Ein darauf abgestimmtes Gerät wie ein E-Book-Reader werden für das Hören nicht benötigt. Lediglich ein Smartphone nebst eventuell einem Paar Kopfhörern ist ausreichend. Du ahnst schon: Da Handys im 21. Jahrhundert weit verbreitet sind, ist dein potenzieller Hörerkreis groß. 
  3. Entschleunigung für die Augen – auch dafür ist der Podcast-Markt bekannt. Das mag zunächst komisch klingen, ist jedoch nicht zu unterschätzen. Schließlich nutzen wir unseren Sehapparat bereits im Berufsleben ausgiebig. Viele Menschen freuen sich daher, wenn sie nicht auch noch in ihrer Freizeit auf einen Bildschirm starren müssen. Gleichzeitig gilt es, die verschiedenen Lerntypen zu beachten. Podcastmarketing wendet sich direkt an die auditive Zielgruppe. Dies gelingt ansonsten nur mit Videos oder Hörbüchern. 


Nichts lieber als Kundennähe: Portrait der Podcaster
Wer startet eigentlich mit Podcast-Marketing? Menschen, die hilfreiche Informationen für andere bereitstellen möchten. Es verwundert also wenig, dass diese Anbieter mit ihrer authentischen Kundennähe auffallen und gefallen. Der Grund hierfür ist schnell erklärt:

Ein Format wird nicht gehört, wenn es keinen Nutzen bietet oder lieblos gestaltet ist. Schließlich merkt die Zielgruppe rasch, wenn es sich bei audiobasiertem Content um heiße Luft handelt. Denn ablenkende Banner oder schnelle Szenenwechsel können nicht vom Wesentlichen ablenken – sie sind schlicht nicht vorhanden. Daher heben sich Podcast-Marketer klar durch ihren Blick für qualitativen Inhalt ab. Und es ist kein Geheimnis: Dieser ist es, der sich langfristig am Markt durchsetzen wird.

Fünf unschlagbare Gründe für Marketing zum Hören

Neben den bereits genannten Vorteilen von Podcast-Marketing soll das nachfolgende Quintett nicht unerwähnt bleiben. Es verdeutlich erneut, warum dieses Werbe-Tool im zukunftsorientierten Marketing Mix nicht fehlen darf.

Professionell werben – und dennoch Geld gespart

Im Vergleich zur nahen Verwandtschaft sind Podcast-Folgen einfacher und günstiger erstellt. Für Videos nämlich muss das Lichtverhältnis, der Raum und das Make-up stimmen. Im Gegensatz dazu bedarf gehörtes Marketing lediglich eines guten Sounds sowie eines kurzweiligen Themas. Selbstverständlich sollten in beiden Fällen die Gastgeber sympathisch und idealerweise Experten auf ihrem Gebiet sein. Wenn Not am Mann oder an der Frau ist: Ein professioneller Sprecher gibt Unternehmen gerne Tipps, wie sie die ersten Schritte in der Welt der sprachbasierten Unterhaltung erfolgreich meistern. Alternativ dazu lässt er oder sie sich ebenso engagieren.

Bitte an Bord: Nutzer an Ort und Stelle abholen

Wer kennt sie nicht: Menschen in U- und S-Bahnen, die konzentriert auf ihr Smartphone starren. Es könnte der Präsident der Vereinigten Staaten neben ihnen stehen – unwahrscheinlich, dass sie hiervon Notiz nehmen würden. Anders verhält es sich mit Podcast-Folgen. Diese können jederzeit gehört werden, ohne die Umgebung aus dem Blickfeld zu verlieren. Unabhängig davon, ob sich Menschen gerade im Auto, in der Tram oder auf dem Weg zum Staatsbankett befinden – gehört wird immer und überall.

Dem Algorithmus ein Schnippchen schlagen

Erinnerst du dich noch an MySpace oder SchülerVZ? Diese Plattformen waren einst die Big Player im Social Media Bereich. Heute verdeutlichen sie uns mit einem erhobenen Zeigefinger, wie schnelllebig die Werbewelt wurde. Möchtest du nicht in die Trend-Falle tappen, spielen Podcasts wieder ihre Stärken aus. So bieten sie zusätzlichen Mehrwert auf jeder Plattform. Drei Beispiele hierfür:

Deine Podcast-Episoden kannst du auf deiner Facebook-Fanpage ebenso wie auf Twitter teilen. Im Corporate Blog findet gehörter Content außerdem stets Platz. Nicht nur WordPress bietet hierfür unzählige Plug-Ins an. Spezialisierte Podcast Plattformen schenken dir zusätzliche Unabhängigkeit von bekannten und unbekannten Algorithmen.

Poste nicht nur, beeinflusse!

Wie hebst du dich von deinen Mitbewerbern ab? Durch günstige Preise, ein strahlendes Lächeln oder eine extrem enge Nische? Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Was sich jedoch als stets effizient erweist ist, Vorreiter in deiner Branche zu sein. Hierdurch bestätigst du einerseits deinen Blick für die Zukunft. Andererseits inspirierst du dazu, Bestehendes mit Köpfchen zu hinterfragen.

Zu Beginn dieses Artikels wurde es zwar schon einmal erwähnt, doch doppelt hält in diesem Fall besser: Nicht jedes Unternehmen denkt und handelt so langfristig, wie es zugunsten positiver Bilanzen eigentlich sollte. Für dich besteht durch die Pflege deiner Podcast-Bibliothek also die Möglichkeit, zum Marktführer zu werden.

Zusätzliche Einkommensströme generieren

Auch wenn dein Unternehmen floriert, schaden zusätzliche Einkommensströme nicht. Schließlich erhöhen sie deinen finanziellen Spielraum für spannende Investitionen. Dabei eignen sich Podcast-Angebote ebenso wie Videos hervorragend dazu, den Cashflow organisch fließen zu lassen. Dies könnte etwa durch die Vermietung von Werbeplätzen oder Interviewzeit gelingen. Und selbstverständlich: Dein Podcasting soll hauptsächlich aktiv Neukunden generieren. Die zusätzlichen Einkommensströme sind also lediglich monetäres Beiwerk.

Fazit: Warum die Zukunft vor allem auch im Ohr liegt

Als Unternehmer weißt du, wie wichtig passgenaue Werbung ist. Hierbei setzt du auf die Stärken des World Wide Webs – und das zurecht! Doch auch dort gilt, die Spreu vom Weizen zu trennen. So ist dir bewusst, dass du nicht jeden Social Media Kanal professionell bespielen kannst. Die Zeit hierfür würde schlicht für dein Kerngeschäft fehlen. Was also tun? Du wählst nur die Kanäle für deine Werbe-Maßnahmen aus, die exakt deine Zielgruppe ansprechen. Bist du Experte mit dem Blick für Qualität und nachhaltige Trends, zählt hierzu sicherlich auch die Erstellung von Podcast-Folgen. Diese transportieren deine Message im flexiblen Gewand. 

Also: Wirbst du noch oder bist du schon on air?