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Die Sprechstimme verbessern: 3 Tipps für Podcast-Hosts

Der Normalbürger nimmt seine eigene Sprechstimme meistens nur dann wahr, wenn er sie auf einer Sprachnachricht hört und sich anschließend entsetzt fragt, ob er denn wirklich so klingt. Als Podcast-Host hast du dieses Trauma durch die regelmäßige Konfrontation wahrscheinlich längst überwunden. Umso mehr fallen dir vielleicht stimmliche Unzulänglichkeiten auf: Eventuell kiekst du manchmal, möglicherweise bricht deine Stimme am Satzende weg oder du hörst dich allgemein ein bisschen schwach auf der Brust an. Vielleicht hast du dir durch zu viel Keeping Up With The Kardashians gucken auch den sogenannten Uptalk angewöhnt.

Mit einer von Natur aus hervorragenden Sprechstimme sind leider nur die wenigsten gesegnet. Wer keine Moderatoren-Ausbildung genießen durfte, muss sich also selbst darum kümmern, die Stimmbänder auf Vordermann zu bringen. Das erfordert ein bisschen Training, zahlt sich aber aus:

  • Eine trainierte Stimme ermüdet weniger schnell
  • Zuhörer verstehen dich besser, weil du deutlicher redest
  • In der Regel wird die Stimme auch etwas ruhiger bzw. einen Ticken dunkler, was das Zuhören angenehmer macht

Die folgenden 3 Tipps sollen dir dabei helfen, deine Sprechstimme zu verbessern. Los geht’s!

1. Tipp: Muskeln lockern

Wie gut dein Sprechapparat funktioniert, hat auch mit deinen Muskeln zu tun. Ja, wirklich! Insbesondere verspannte Schulter-, Kiefer- und Nackenmuskeln schränken deine Stimme ein, denn dein Körper fungiert als Resonanzraum für deine Stimme. Je lockerer deine Muskulatur ist, desto besser kann die Stimme klingen. 

Wenn du – wie so viele Menschen – den ganzen Tag vor dem Computer hockst, solltest du dir sowieso eine tägliche Muskel-Lockerungs-Routine zulegen. Diese zehn Minuten lange Routine zum Beispiel lässt sich wirklich einfach in den Alltag integrieren und wirkt Wunder gegen verspannte Schultern und Text Neck. Die ist aber nur ein Vorschlag. Such dir aus den Hunderttausenden Videos auf YouTube eines aus, welches sich für dich richtig anfühlt, und mach das Auflockern zur Gewohnheit. Ein netter, möglicher Nebeneffekt: weniger Spannungskopfschmerzen, yay.

Vor der Podcast-Aufnahme selbst kannst du die folgende Mini-Routine ausführen, um deine Muskeln zu lockern:

  1. Gerade hinstellen.
  2. Schultern zu den Ohren hochziehen, fünf Sekunden warten, entspannt absenken. Fünfmal wiederholen.
  3. Anschließend sanft mit den Fingerspitzen für 20 bis 30 Sekunden die Kiefermuskulatur massieren. 
  4. Dann fünfmal die Schultern nach vorne rotieren, fünfmal nach hinten.

2. Tipp: Stimm-unfreundliche Angewohnheiten loswerden

Ist deine Stimme belegt bzw. fühlst du einen Frosch im Hals, solltest du auf das Räuspern lieber verzichten, denn es belastet die Stimmlippen. Der Grund: Beim Räuspern vollzieht sich eine Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur. Die Stimmlippen werden geschlossen und stark aufeinander, anschließend wieder auseinander gepresst. Das ist gar nicht gut für die Schleimhaut und verstärkt sogar noch den Drang, sich zu räuspern. 

Die Alternative zum Räuspern ist das Abklopfen des Brustkorbs, was dieser Szene aus The Wolf of Wall Street ähnelt. Summ ein bisschen vor dich hin (“Mhhhhhh”) und klopfe deine Brust ab (nicht so fest wie McConaughey). Das löst Schleim zuverlässig und behutsam. 

Eine weitere Stimm-unfreundliche Angewohnheit ist es, nicht genug Flüssigkeit zu dir zu nehmen. Stimmbänder benötigen eine Menge Feuchtigkeit, die solltest du ihnen nicht vorenthalten. Trink viel stilles Wasser und hab auch bei der Podcast-Aufnahme immer ein Glas zur Hand. Wenn du Tee magst, solltest du Königskerzenblütentee ausprobieren. Der wirkt schleimlösend und stillt noch dazu Hustenreiz. 

3. Tipp: Richtig atmen

Atmen kann zwar jeder, richtig atmen aber nicht. Weil wir dazu neigen, den Bauch einzuziehen oder bei starker Konzentration die Luft anzuhalten, führen die meisten Menschen die sogenannte Brustatmung aus: bei dieser erweitert sich der Brustkorb beim Einatmen. Im Gegensatz dazu existiert die Bauchatmung (auch: Zwerchfellatmung). Hier wölbt sich stattdessen der Bauch nach vorne. 

Mediziner verweisen auf die Vorteile der Bauchatmung: sie verbraucht einerseits weniger Energie, bringt die Verdauung in Schwung und reduziert Stressempfindungen. Und: sie verhilft dir zu einer stärkeren, klareren Stimme. Sänger lernen sehr früh in ihrer Ausbildung, beim Singen in den Bauch zu atmen, um die Stimme vor unnötigen Strapazen zu schützen.

Das regelmäßige, bewusste Atmen in den Bauch hinein kannst du gut mit deiner neuen Muskel-Lockerungs-Routine verbinden bzw. direkt vor der Podcast-Aufnahme anwenden: Setz dich gerade hin, halte das Kinn parallel zum Boden und lege deine Hände zwischen Nabel und Brustbein. Jetzt atmest du fünfmal gegen die Hände ein und aus. 

Ständig heiser, Kloßgefühl, Räusperzwang?
Menschen, die im Beruf viel sprechen müssen, aber auch Personen, die nicht zu dieser “Risikogruppe” zählen, leiden manchmal an einer sogenannten funktionellen Stimmstörung. Symptome können unter anderem eine dauerhafte Heiserkeit, ein Kloßgefühl und/oder Brennen im Hals sowie ein häufiges Räusperbedürfnis sein. Wenn du Symptome wie diese hast, solltest du deinen HNO darauf ansprechen. Dann bekommst du ggf. einige Logopädie-Stunden verordnet, die deine Symptome im besten Fall schnell zum Verschwinden bringen. Ziemlich spaßig sind sie noch dazu.