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Feuerwehrsirenen im Hintergrund, Hundegebell, dazu Störgeräusche und lautes Schmatzen: Fertig ist der unprofessionelle Podcast. Damit konnte man vielleicht noch zu Beginn des Hypes punkten, weil man damit authentischer rüberkam als die auf Hochglanz polierten Podcasts der großen Medienhäuser. Mittlerweile sind aber selbst die Wohnzimmer-Plauderer darum bemüht, ihren Fans ein angenehmes Hörerlebnis zu bieten und Böhmermann und Schulz essen nur noch ganz selten vor dem Mikrofon. Die Soundqualität eines Podcasts korreliert vielleicht nicht mit der Qualität seines Inhalts, Fakt ist aber: Wenn der Sound nicht stimmt, schaltet eventuell der ein oder andere ab, egal wie gut die Episode ist. Um das zu vermeiden, liest du im Folgenden 3 Tipps für eine bessere Soundqualität beim Aufnehmen.

1. Wähle den Aufnahmeraum mit Bedacht.

Think about the environment! Diesen Satz solltest du dir zwar hauptsächlich hinsichtlich des Umweltschutzes zu Herzen nehmen, aber für das Aufnehmen eines Podcast gilt er genauso. Nicht jeder Raum ist dafür gut geeignet. Im besten Fall verfügst du natürlich über einen Zugang zu einem (externen) Studio. Wenn das nicht der Fall sein sollte und du dir zuhause einen Aufnahmeraum einrichtest, empfiehlt es sich, rechteckige und quadratische Räume zu meiden, da in diesen der Schall besonders gut von den Wänden abprallt. Suche dir lieber einen möglichst asymmetrischen Raum aus oder stelle dein Mikrofon in einen asymmetrischen Bereich des Raums. Fest verlegter Teppichboden ist übrigens kein Muss. Verfügt dein Aufnahmeraum über Parkett oder Laminat, tun es auch ein paar kleinere Teppiche. Vorhänge und Bücherregale schlucken zusätzlich störende Geräusche, ebenso ein Sessel oder eine Couch mit einigen Kissen. Akustikschaumstoff an den Wänden ist in der Regel nicht notwendig, außer der Raum ist wirklich groß und nahezu leer.
Dass der Aufnahmeraum kein Durchgangszimmer sein sollte, versteht sich von selbst. Um Hamilton zu zitieren: “No one else in in the room where it happens”. Für Lebensgefährten, Mitbewohner, Nachkommen und Haustiere bedeutet das absolutes Zutrittsverbot während des Aufnehmens. Und: Je weniger Hintergrundgeräusche zu vernehmen sind, desto besser. Es folgt eine kleine Liste an Dingen, die Hintergrundgeräusche produzieren:

  • Straßen
  • Handys 
  • Haustiere jeglicher Spezies
  • Restaurants
  • Aufzüge
  • Klimaanlagen
  • Wasch- und Spülmaschinen
  • Heizungen
  • Drucker
  • Kühlschränke
  • Lüftungen von Computern
  • Boiler

Klar: Nur wenige von uns dürften die Möglichkeit haben, einen dezidierten Podcast-Raum in ihr Heim zu integrieren. Zumindest für Solo-Podcaster gibt es aber eine nette, kostenfreie DIY-Möglichkeit: Bettdecke in den Kleiderschrank hängen und in diese Richtung sprechen. Zack fertig, Aufnahmeraum.
Aufgepasst bei (unfreiwilliger) Hintergrundmusik: Das kann dank GEMA problematisch werden. Das Achten auf ggf. vorhandene Hintergrundmusik ist für den gemeinen Kleiderschrank-Podcaster zwar in der Regel kein Thema, wird aber zum Beispiel dann relevant, wenn O-Töne benutzt werden. Wurden die etwa in einem Office Space aufgenommen, in dem im Hintergrund das Radio dudelt, steht ganz schnell die GEMA vor der Tür.

2. Aufnahmetechnik ist alles.

Schmatzgeräusche findet nur eine Handvoll ASMR-Begeisterter toll, dem Rest der Welt stellen sich dabei die Nackenhaare auf. Essen während der Aufnahme ist deshalb ein absolutes No-Go. Unwillkürliche Schmatzer lassen sich rausschneiden. Münder produzieren beim Sprechen hin und wieder feuchte Töne; dagegen hilft, regelmäßig einen Schluck Wasser zu nehmen (und diese paar Sekunden in der Postproduktion zu entfernen). 
Außerdem lohnt es sich, mit dem Abstand zwischen Mund und Mikrofon zu experimentieren. Jedes Mikro ist unterschiedlich und nur weil acht Zentimeter Abstand bei dem einen gut funktionieren, muss das bei dem anderen längst nicht der Fall sein. Es gibt aber eine Faustregel – wortwörtlich. Mache eine Faust und halte sie zwischen Mund und Mikro. Das ist der Mindestabstand. Von hier an heißt es: Testen, testen, testen, bis du den Sweet Spot gefunden hast. Ein Popschutz sollte nie fehlen, wenn du den aber noch nicht hast, kannst du das Mikro auch in einem 45°-Winkel aufstellen, das hilft schon ein bisschen. 
Die Stimme und das Training derselben wird leider von den allermeisten Podcastern ziemlich vernachlässigt. Dabei lässt sich mit ein klein wenig Stimmtraining schon so viel machen. Wer’s ernst meint, geht zum Logopäden und lässt sich dort beraten, für den Anfang tut es auch eine YouTube-Recherche. Aufwärmübungen vor der Aufnahme lassen die Stimme gleich viel kräftiger klingen, kostengünstige Hilfsmittel wie zum Beispiel ein LAX VOX® eliminieren Knarzen und machen die Stimmbänder geschmeidig.
Zuletzt solltest du wildes Gestikulieren oder das Herumnibbeln an Kabeln, Kleidung oder Körperteilen vermeiden, weil auch das Störgeräusche produzieren kann.

3. Schenke der Postproduktion die Aufmerksamkeit, die sie verdient.

In der Postproduktion sollten, es wurde schon erwähnt, alle Schmatzgeräusche rausfliegen. Zu lange Sprechpausen (ab ca. drei Sekunden) dürfen ebenfalls weg, außer sie passen situativ gut. Sind Hintergrundgeräusche zu laut, kannst du dir überlegen, ob das Gesagte, was davon überlagert wird, wirklich, wirklich wichtig ist. Wenn nicht: Raus damit. Die meisten Versprecher hingegen wirken charmant und müssen nicht zwingend geschnitten werden. Auch Ähms und Hms gehören zum Podcasten dazu und sind in der Regel nicht unprofessionell, sondern authentisch. Niemand spricht im Podcast wie Jan Hofer.
Oft kommt es vor, dass man sich beim Reden in eine Ecke palavert und erst nach einer ganzen Weile den Faden wieder findet. Solltest du das bemerken, dann klatsch einmal in die Hände, bevor du nochmal von vorn beginnst. Das schenkt dir beim Editieren einen visuellen Anhaltspunkt, wo der zweite, bessere Versuch startet, und spart dir damit das Suchen. 
Eine große Bedeutung kommt auch dem Tuning der Lautstärke zu: Kein Podcast-Hörer kann es leiden, wenn die Intro-Musik extrem laut und der darauf folgende Gesprächsteil extrem leise ist. Noch wichtiger wird das bei Sounds und Musik, die du inmitten des Gesprächsteils platzierst, zum Beispiel, um einen Werbeslot einzuleiten. 
Du liebst das Podcasten, hast aber mit Schnitt und Vermarktung gar nichts am Hut? Vielleicht können wir dir da helfen. Schreib uns!